Juni 2020
Mai 2020
April 2020
März 2020
Februar 2020
Januar 2020
Dezember 2019
November 2019
Oktober 2019
September 2019
August 2019
Juli 2019
Juni 2019
Mai 2019
April 2019
März 2019
Januar/Februar 2019
Putin-Lexikon
Putin-Reden
Sovetica
Schreckensorte in Osteuropa
Pressemedien in Osteuropa
Über 20 Jahre im Dienst der Information
Privater, politisch unabhängiger Presse-Blog zum Thema Osteuropa und Russland
_______________________________________________________________________





THEMEN UND LINKS IM JULI 2020



Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie in Osteuropa und Russland (V)

Russland verzeichnet mehr als eine halbe Million Corona-Virusinfizierte. Damit liegt das Land weltweit an dritter Stelle. Das könnte mit manipulierten und geschönten Zahlen zusammenhängen, denn der Kreml lügt wahrscheinlich systematisch wie gedruckt und verschweigt das wahre Ausmass der Pandemie im Land.


Indessen macht Russland nach eigener Darstellung Fortschriftte bei der Entwicklung eines Impfstoffes. Vermutlich handelt es sich um reine Propaganda.

Anfang Juli hat die Schweiz eine Liste von 29 Ländern veröffentlicht, bei denen Einreisende aus diesen Ländern sich in der Schweiz in eine 10-tägige Quarantäne begeben müssen. Von den Ländern Osteuropas sind Russland, Armenien, Aserbaidschan, Kosovo, Moldawien, Nordmazedonien, Serbien und Weissrussland (Belarus) betroffen.

Inzwischen hatten sich die Hotspots der Corona-Viruspandemie nach Indien, Brasilien und Nordamerika verlagert, wobei die Zahlen der Neuinfektionen auch in Europa wieder zunahmen. Ende des Monats hatten sich laut WHO innerhalb eines Tages weltweit 292 Tausend Menschen angesteckt. Die meisten neuen Infektionsfälle gab es in den USA mit insgesamt 172 Tausend Ansteckungen.

Russland belegt Rang 4 im Corona-Ranking

In Russland blieb die Zahl der Virus-Neuinfektionen im August stabil über der Marke von 5000. Die Behörden melden 5267 Ansteckungen binnen 24 Stunden und damit seit dem 20. Juli weniger als 6000 neue Fälle. Die Gesamtzahl der nachgewiesenen Infektionen steigt auf 871'894. Das sind nach den USA, Brasilien und Indien die viertmeisten weltweit. Die Zahl der Todesfälle erhöhte sich um 116 auf 14'606. Im Vergleich zu anderen Staaten ist die Zahl eher niedrig.

Weltweit sind inzwischen mehr als 700.000 Menschen nachweislich an oder mit dem Coronavirus gestorben. Das ergibt eine Reuters-Erhebung auf Basis offizieller Daten. Jeden Tag sterben fast 5900 Menschen weltweit, im Schnitt stirbt alle 15 Sekunden ein Mensch. Die meisten Todesfälle verzeichnen die USA, Brasilien, Indien und Mexiko.In den USA steigt die Zahl der Coronavirus-Fälle nach Angaben der US-Zentren für Seuchenkontrolle und Prävention (CDC) binnen 24 Stunden um 49'716 auf 4'698'818. Weitere 733 Menschen sind an den Folgen des Virus gestorben. Die Zahl tödlich verlaufender Ansteckungen klettert auf 155'204.

Russland lässt neuen Anti-Corona-Impfstoff zu

Am 12.8. liess Putin überraschend den abgekündigten russischen Anti-Corona-Impfstoff "Sputnik V" zu. Vermutlich handelt es sich um eine reine Propgandaaktion, um einen Bluff Putins, um seine Popularität zu erhöhen. Der Kurs des Rubels schnellte unverzüglich in die Höhe.

Die Reaktionen der Experten aus Deutschland und anderen Ländern waren prompt negativ: Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, hat die Zulassung eines Anti-Corona-Impfstoffes in Russland scharf kritisiert. "Die Zulassung eines Impfstoffs ohne die entscheidende dritte Testreihe halte ich für ein hochrisikantes Experiment am Menschen", sagte Reinhardt in der "Rheinichen Post". es dränge sich der Eindruck auf, dass es sich um eine populistische Massnahme eines autoritär regierten Staates handle, der der Weltgemeinschaft seine wissenschaftliche Leisungsfähigkeit demonstrieren möchte, so der deutsche Ärztepräsident. Auch der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek, hat in den "Tagesthemen" die russische Zulassung eines Corona-Impfstoffs kritisiert. Er bemängelte, dass bei dem zugelassenen Impfstoff in Russland "die statistisch signifikanten Sicherheits- und Wirksamkeitsdaten nicht erhoben worden" seien. Nur etwa 23% der Russen sollen bereit sein, sich diesen Impfstoff geben zu lassen.

Hyperlinks dazu:

- Offizielle Angaben des russischen Aussenministeriums (engl)
- Anti-Corona-Impfstoff in Russland im Herbst?
- Angeblich Fortschrittfe bei der Entwicklung eines Covid-19-Impfstoffes in Russland

- Corona in Russland: Unvollständige oder geschönte Zahlen
- Russland droht Verdopplung der Arbeitslosenzahl


Weitere Informationen zum Thema Corona-Pandemie nach Ländern:

- Lukaschenko will Coronavirus-Infektion überstanden haben  II
- Über 1000 neue Corona-Fälle in der Ukraine an einem Tag am 10 August
- Aktuelle Angaben nach Ländern (Juli 2020)
- Corona-Höchstwerte in Polen
- Quarantänepflicht für Reisende aus der Schweiz in Lettland und Litauen

- Schweiz setzt Bosnien-Herzegowina und Montenegro auf Corona-Liste und entfernt Weissrussand
- Schweiz veröffentlicht Liste von "Quarantäne"-Staaten

- Russland-Corona-Eilmeldungen Liveticker
- Reiseinformationen des Auswärtigen Amts (BRD)  II
- Offizielle Reiseinformationen des weissrussischen Aussenministeriums (engl
- Offizielle Reiseinformationen des ukrainischen Aussenministeriums (engl
- Offizielle Reiseinformationen des estnischen Aussenministeriums (engl)  II
- Offizielle Reiseinformationen des lettischen Aussenministeriums (engl)  II
- Offizielle Reiseinformationen des litauischen Aussenministeriums (engl)  II III
- Offizielle Reiseinformationen des kroatischen Innenministeriums (engl)  II III
- Offizielle Reiseinformationen des tschechischen Innenministeriums (engl)
- Offizielle Reiseinformationen des georgischen Aussenministeriums (engl)
- Offizielle Reiseinformationen der polnischen Regierung (engl)
- Aktuelle Lage Slowenien

- Offizielle russische Angaben des Moskauer Oberbürgermeisteramts (russ.)
- The Latest News from The Moscow Times
- Entwicklung der Coronavirus-Pandemie in Tschechien
- Entwicklung der Coronavirus-Pandemie in der Slowakei
- Entwicklung der Coronavirus-Pandemie in Polen
- Entwicklung der Coronavirus-Pandemie in Ungarn
- Entwicklung der Coronavirus-Pandemie in Estland
- Entwicklung der Coronavirus-Pandemie in Lettland
- Entwicklung der Coronavirus-Pandemie in Litauen
- Entwicklung der Coronavirus-Pandemie in Slowenien
- Entwicklung der Coronavirus-Pandemie in Kroatien
- Entwicklung der Coronavirus-Pandemie in Serbien
- Entwicklung der Coronavirus-Pandemie in Bosnien-Herzegowina
- Entwicklung der Coronavirus-Pandemie in Nord-Mazedonien
- Entwicklung der Coronavirus-Pandemie in Kosovo
- Entwicklung der Coronavirus-Pandemie in Montenegro
- Entwicklung der Coronavirus-Pandemie in Rumänien
- Entwicklung der Coronavirus-Pandemie in Bulgarien
- Entwicklung der Coronavirus-Pandemie in Albanien
- Entwicklung der Coronavirus-Pandemie in Russland
- Entwicklung der Coronavirus-Pandemie in Weissrussland
- Entwicklung der Coronavirus-Pandemie in Ukraine
- Entwicklung der Coronavirus-Pandemie in Moldawien
- Entwicklung der Coronavirus-Pandemie in Armenien
- Entwicklung der Coronavirus-Pandemie in Georgien
- Entwicklung der Coronavirus-Pandemie in Aserbaidschan

Weitere Themen:

- Serben und Montenegriner dürfen nicht mehr in EU einreisen
- Der Kaukasus im Schatten der Pandemie (SWP-Studie)
- Zwischenbilanz der Situation der Corona-Pandemie in den Visegrád-Staaten
- Deutsch-tschechische Zusammenarbeit in Corona-Zeiten
- Coronavirusrekord in Rumänien
- Einreise nach Rumänien sorgt Verunsicherung bei rumänischen Pflegekräften
- Slowakische Präsidentin geht in Präventivquarantäne
- Neuer Corona-Ausbruch in Belgrad und die Folgen  II III IV V
- Österreich erlässt Reisewarnung für mehrere Balkanstaaten
- Keine guten Zeiten in Serbien
- Ferien in Kosovo oder Serbien können Lohn gefährden



Russland: Massenproteste in Chabarovsk nach Verhaftung des Gouverneurs

Nach der Verhaftung ihres Gouverneurs Sergej Furgal gehen die Menschen von Chabarovsk seit dem 11. Juli wochenlang in Massen auf die Strasse und verlangen die Freilassung und Wiedereinsetzung Furgals. Bei den Protesten gab es auch die Forderung nach einem Rücktritt Putins.

2018 hatte der Geschäftsmann und LDPL-Aktivist die Gouverneurswahl unerwartet gegen den vom Kreml bevorzugten Kandidaten gewonnen. Die Wähler von Chabarovsk waren so zufrieden mit ihm und so unzufrieden mit der Kremlpartei, dass Furgal auch die Wahlen zum Regionalparlament gewann. Dies alles verursachte grosses Aufsehen im In- und Ausland. Am 9. Juli 2020 setzte der Kreml dieser Erfolgsgeschichte ein Ende und liess Furgal vor laufender Kamera verhaften. Zum Vorwurf werden ihm die angebliche Beteiligung an Auftragsmorden vor 15 Jahren gemacht. Furgal wurde nach Moskau gebracht und sitzt dort jetzt in U-Haft. Furgal weist jegliche Anhschulidgungen zurück. Im russischen Staatsfernsehen, das die Proteste von Chabarovsk verschweigt, wurden verschiedene angebliche Zeugen von Opfern der Auftragsmorde gezeigt. Viele Chabarovsker zweifeln an der Schuld Furgals und fragen sich, warum ausgerechnet jetzt gegen ihn Anklage erhoben wird. Furgal wurde von Putin per Dekret wegen "Vertrauensverlusts" entlassen und durch einen provisorischen Gouverneur ersetzt, der vom Volk Chabarovsks abgelehnt wird. Videos in sozialen Netzwerken zeigten, wie um Chabarovsk militärische Einheiten zusammengezogen wurden.

Am 9. Juli durchsuchten Ermittler auch Wohnungen und Büros der Moskauer Lokalpolitikerin Julija Galjamina von der Bewegung "Offenes Russland", die der ehemalige Erdölmagnat Michail Chodorkovskij gegründet hatte. Galjamina hatte ein von 200 Abgeordneten aus 26 Regionen Russlands unterzeichnetes Protestschreiben gegen den "Verfssungsumsturz" veröffentlicht. Nach der gewonnen Abstimmung war Beobachtern ein verstärktes aggresves Auftreten der russischen Behörden gegen Regimekritiker aufgefallen. Die Repression in Russland hat danach eine neue Qualiät erreicht. Es fragt sich, wie lange die russische Bevölkerung dies noch zu tolerieren bereit ist.

Hyperlinks dazu:

- Chabarovsk, die Stadt, die gegen Putin aufsteht
- Chabarovsk fordert den Kreml heraus  II
- Chabarovsk fordert Putins Rücktritt
- Nicht für LDPL, sondern gegen die Kremlpartei
- Russlands Osten begehrt auf  II
- Behörden gehen mit List und Tücke gegen Proteste vor
- Putins Rachefeldzug gegen einen erfolgreichen Konkurrenten
- Fortgesetzte Massenproteste in Chabarovsk II III IV IV  IV  IV  IV
- Putin ernennt neuen provisorischen Gouverneur von Chabarovsk (russ.) II III
- Putin setzt Gouverneur ab
- Хабаровск протестует 29-й день подряд. Спецэфир Дождя (Video, 2,5 Std., russ.)
- Massenprotest in Chabarovsk für Freilassung von Sergej Furgal  II III
- Gouverneur von Chabarovsk wegen Mordverdachts verhaftet  II III IV V VI
- Stresstest für Autokraten
- Repression in Russland erreicht neue Qualität

 

 

Russland: Mehrheit für neue Verfassung

Bei einer umstrittenen Volksbefragung hat nach Angaben des Kremls die Mehrheit der Bevölkerung Veränderungen zur Verfassung, die von Putin vorgeschlagen wurden, mit etwa 78% bei 65% Wahlbeteiligung gutgeheissen. Von Oppositionellen in Russland und einigen internationalen Politikern wurde der Vorgang, der Putin erlaubt, bis 2036 zu regieren, aufs Schärfste kritisiert. In oppositionellen Kreisen Russlands ist gar von einem "Staatsstreich" die Rede, was wohl zutrifft.

Internationale Wahlbeobachter waren nicht zugelassen. Die drei vorangegangenen Amtszeiten Putins wurden sozusagen annulliert, so dass es ihm ermöglicht wird, für weitere Amtszeiten zu kandidieren. Nicht nur der russischen Oppositionelle Alexej Navalnyj, sondern auch viele Beobachter im Ausland vermuten, dass das Resultat der Volksabstimmung durch Manipulation und Fälschung zustande gekommen ist und bereits im voraus vom Kreml mehr oder minder festgelegt worden war.

Möglicherweise wurde Putin von Hardlinern des Systems (Geheimdienstchef, Vorsitzender des Nationalen Sicherheitsrates) dazu gedrängt, zu Gunsten der Stabilität sich als Präsident weiter zur Vefügung zu stellen, weil ihnen zufolge die Zeit für eine Nachfolgediskussion noch nicht reif war. Ein Rücktritt oder eine Abwahl Putins hätte vermutlich fatale Folgen für Russland. Nach dieser "Theorie" wird Putin also die Rolle eines Staaschefs zugewiesen, zu dem es keine Alternative gibt. Auch sind Aussen- und Innenpolitik in Russland viel verknüpfter als in anderen Ländern. Aber Russlands Kriege in Syrien und Libyen nützen Putin in der Innenpolitik nicht mehr viel. Die Euphorie der Krim-Annexion von 2014 ist längst verflogen, aber die westlichen Sanktionen gegen Russland sind geblieben.

Hyperlinks dazu:

- Die Zähmung der Elite von Tatjana Stanovaja (russ.)
- Kreml will Kritik an der Verfassungsreform ignorieren
- Wieviel wert ist Putins Sieg?
- Unfaire Abstimmung, zynisches Machtspiel: ein Kommentar
- Указ об официальном опубликовании Конституции с внесёнными в неё поправками
- Umfragen des Levada-Zentrums (russ.)
- Noch 16 Jahre Putin? (1-stündiger Podcast)  II III IV
- Putins Stunde Null
- Putin auf Lebenszeit
- Russland stimmt für Putins Machterhalt
- Протест против поправок в конституцию РФ  II III IV V
- Proteste gegen den "ewigen Putin"  II
- Navalnyj über die Fälschungen der Abstimmung (russ.)  II
- Irgendetwas ist faul an dieser Abstimmung II
- Scharfe Kritik aus der EU an der russischen Volksabstimmung zu den Verfassungsänderungen  II
- Putin dankt der Bevölkerung (russ.)
- Meldungen der russsischen Presse (russ.)  II III IV V VI VII VIII IX X XI
- Wie die Russen mit allerlei Tricks zu den Urnen gelockt wurden
- Russen stimmen über Verfassungsänderungen ab  II  III
- 2020 Russian constitutional referendum (Wikipedia)
- Общероссийское голосование по вопросу одобрения изменений, вносимых в
Конституцию Российской Федерации, проводилось с 25 июня по 1 июля 2020 годa (Wikipedia)
- Полный текст поправок в Конституцию: что меняется?
- Полный текст новой Конституции с комментариями к каждой поправке
- Поправки к Конституции России (Wikipedia)
- Владислав Сурков: Долгое государство Путина
- Как Путин и его старые друзья поделили Россию

- Putins Stärke resultiert aus der Schwäche des Westens
- Die USA und Russland sind einander sehr ähnlich geworden
- Braucht Russland unsere Hilfe?
- Vladimir Putin Peak

- Die Gefängnis-Feuerinsel im Gebiet Vologda  II III
- Russlands modernster Knast "Kreuz 2" in SPB

- Internetzensur und Überwachung in Russland. Ein Bericht von Reporter ohne Grenzen (2019, pdf 80 S.)

 

Russland: Putin veröffentlicht geschichtsklitternden Artikel

Kürzlich hat Putin in einer konservativen US-amerikanischen Zeitschrift unter dem Titel "75. Jahrestag des Grossen Sieges" einen kuriosen Geschichtsaufsatz veröffentlicht. Darin gibt der Autor dem Münchner Abkommen von 1938 und Polen eine Mitschuld am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Ausserdem wird behauptet, die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen seien 1939 aus freiwilligen Stücken der UdSSR beigetreten. Von westlichen Historikern und Kommentatoren wurde der Beitrag als reine Geschichtsklitterung eines fehlgeleiteten Politikers abgetan.

Offenbar handelt es sich bei Putins Beitrag um eine Gegendarstellung zur Resolution des Europarates, die er im vergangenen September zum Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren verabschiedet hatte. Für westliche Historiker gilt hingegen der deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt vom 23. August 1939 als Initialzündung zum 2. WK. Ausserdem wurde Putin vorgeworfen, verschiedene historische Fakten, die nicht in sein einseitiges Geschichtsbild passten, auszulassen und zu verschweigen. Der "Beitritt" der drei baltischen Staaten wurde von den Stalinisten 1939 so arrangiert, nachdem diese drei Länder in einen geheimen Zusatzprotokoll zum sog. Hitler-Stalin-Pakt der sowjetischen Einflussspähre zugeschrieben wurden. Die sowjetischen Deportationen der baltischen Völker werden verschwiegen, ebenfalls das Massaker an polnischen Offizieren in Katyn. Die Ukrainer werden der Kollaboboration mit den Nazis bezichtigt.

Bei Putins dreister Geschichtslektion handelt es sich um nichts anderes, als die westlichen Grossmächte und Polen als ehemalige Nazikollaborateure zu diskreditieren und für den Ausbruch des 2. WK mitverantwortlich zu machen, das anfängliche Versagen Stalins im Krieg mit entlarvenden Konterbehauptungen aus dem Argumentationsarsenal des Kremls an die Adresse des Westens zu übertünchen und Russland als historisch und moralisch überlegenen Helden zu verklären. Ferner wirft Putin dem Westen Geschichtsrevisionismus, obwohl er mit seinem Bestreben, die Beschlüsse von Jalta zu revidieren, einen eigenen Revisionismus betreibt. Die wahren Absichten der komplexen Aussenpolitik Putins werden in keinen Analysen dieses "Strategen" thematisiert und bleiben im Dunkeln, so dass von ihm absichtlich reichlich Raum für allerlei Spekulationen geschaffen wird. Er sieht es gerne, wenn die von ihm auf Trab gehaltene (freie) Welt sich an ihnen abarbeitet, damit die Aufmerksamkeit für den Herrscher im Kreml rund um die Uhr gewährleistet wird. Denn er möchte von den Amerikanern auf Augenhöhe respektiert werden, was wohl eine Illusion bleiben muss. Am Ende biedert sich Putin, der die üblen kriegerischen und zivilen Schandtaten seiner Amtszeit geschickt umgeht, weil sie nicht zum Thema passen, auch noch mit kaum auszuhaltender Heuchelei bei der UN an, deren Friedensbemühungen er selbst mit seinem Vetorecht immer wieder zu unterwandern und sabotieren bemüht ist. Zu beklagen ist bei diesem falschen Geschichtsbild auch der patriotisch verbrämte (Anti-)Kriegskult Russlands, der von Putin und seinen Propaganda-Demagogen geschürte Hass auf den Westen, die systematische Unterdrückung des Erinnerns an den stalinistschen Terror und das völlige Fehlen der Anerkennung der historischen Wahrheit, dass ganz Osteuropa während 45 Jahren (1945-1989) unter der brutalen sowjetisch-kommunistischen Okkupation zutiefst gelitten hat.

Zweifellos kennt Putin die historischen Fakten  ziemlich gut. Es ist heutzutage aber auch kein grosses Problem, sie gut zu kennen. Sein grösstes Problem ist, dass er nicht ehrlich genug gegenüber der Geschichte ist.

Der ukrainische Botschafter in Deutschland klassifizierte den Artikel Putins als plumpe Geschichtslektion altsowjetischen Stils und hält den Text aber auch für brandgefährlich und für eine unverhüllte Drohung an Europa, das die Einflusszone Moskaus anerkennen soll.

Sein mit wachsender Aggressivität verfolgtes Bestreben, die Geschichte und Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs im Sinne seines neosowjetischen und grossrussisch-nationalistischen Narrativs umzuschreiben, ist Bestandteil seiner "hybriden" Kriegsführung gegen den Westen und die von ihm beanspruchte Weltordnung. Der Informationskrieg Putins, der im Westen nach alter sowjetischer Geheimdienstmanier Konfusion und Angst verbreiten soll, hat viele Facetten und umfasst selbstverständlich auch die Wissenschaft und Publizistik, die von ihm gnadenlos manipuliert wird.

Hyperlinks dazu:

- Scharfe Reaktion seitens der Ukraine
- Stalins gelehriger Schüler
- Der Artikel Putins auf Deutsch  II
- Der Artikel Putins auf Englisch
- Der Artikel Putins auf Französisch
- Der Artikel Putins auf Italienisch
- Der Artikel Putins auf Russisch
- Der Artikel Putins auf Spanisch
- Der Artikel Putins auf Polnisch
- Der Hitler-Stalin-Pakt und das Schicksal der Baltischen Staaten  II III IV
- Russische Materialien zum 75. Jahrestag des "Grossen Sieges"
- Putin schiebt Polen Mitschuld am Ausbruch des 2. WK in die Schuhe
- Kommentar von deutschen Historikern

- Verbietet Putin jetzt sogar den Regenbogen?

- Buchtipp: Putins russische Welt von Manfred Quiring (2017) im epub-Format  II  III (russ.) IV (russ.)
- Buchtipp: Stalin bez kulta
- Nikolaj Starikov: Stalin-Apologet und inoffizieller Hofhistoriker des Kremls  II III
- Der Grosse Vaterländische Krieg in 12 Bänden (russ.) - Bd. 2  II III

- Lesenswert: "Die Nachtwölfe" von Peter Pomerantsev

 

Kroatien: HDZ gewinnt Parlamentswahlen

Am 5.7. fanden in Kroatien vorgezogene Parlamentswahlen statt. Dabei konnte die regierende nationalkonservative HDZ mit Andrej Plenkoviæ ihre Mandate im Vergleich mit den Wahlen von 2016 halten. Allerdings gingen zahlreiche Sitze an eine neue rechtspopulistische Partei, die zur drittstärksten politischen Kraft aufstieg und mit der die HDZ u.U. eine Mehrheit im Parlament bilden muss. So gesehen hat sich in Kroatien ein politischer Rechtsrutsch ereignet. Im Vorfeld der Wahlen lag bei Umfragen jedoch die Linke vorne. Der als Schaffer ohne Charisma geltende und ausserhalb Kroatiens kaum bekannte Plenkoviæ dürfte somit Regierungschef Kroatiens bleiben, obwohl eine schwierige Regierungsbildung erwartet wird.

Der Urnengang stand im Schatten der Corona-Pandemie. Fällig wäre er erst gegen Ende des Jahres geworden. Doch Ministerpräsident Andrej Plenkoviæ zog ihn vor, um davon zu profitieren, dass seine Regierung die Pandemie zunächst erfolgreich zurückgedrängt hatte. Nun ist sie wieder zurückgekommen, denn die Infektionszahlen stiegen inzwischen wieder an. In den Wahllokalen herrschte Maskenpflicht und die Wahlbürger mussten ihre eigenen Kugelschreiber mitnehmen, um den Stimmzettel auszufüllen.

Hyperlinks dazu:

- Pressemitteilungen  II III
- Wahlergebnisse auf Wikipedia
- Wahlergebnisse auf Slobodna Dalmacija (kroat.)
- Kroatien vor den Parlamentswahlen  II  III
- Andrej Plenkoviæ
- Partei HDZ
- Parlamentswahlen 2016
- Partei Domovinski pokret von Miroslav Škoro
- Das Corona-Virus ist in Kroatien zurück  II
- Corona-Lage in Kroatien zu optimistisch beurteilt
- Corona in Kroatien: Wie sicher ist der Urlaub in diesem Land?  II
- Buchtipp: Trescher-Reiseführer Kroatien
- Buchtipp: Trescher-Reiseführer Dalmatien
- Buchtipp: Du Mont-Reiseführer Kroatien
- Buchtipp: Die Augen von Zagreb von Karl-Markus Gauss  II
- Aktivist, Philosoph und Autor Sreæko Horvat  II IIa IIb

 

Weitere Themen:

- Litauen ist in Sorge wegen Bau eines AKW in Weissrussland
- Polnischer Minister will Abkommen gegen Gewalt an Frauen kündigen
- Politische Repression unter Putin erreicht neue Qualität
- Repressionen ohne Ende: Wie Putin mit voller Härte gegen jegliche Kritik vorgeht
- Jurij Dmitriev zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt  II III IV V VI VII VIII (dt.) IXa (dt.) IXb (dt.) X (dt.)
- Polen und Ungarn setzen sich mit Eigeninteressen an historischem EU-Gipfel durch  II
- Geiselnahme in der Ukraine unblutig beendet
- Schweizer Bundespräsidenti auf Staatsbesuch in der Ukraine  II
- Navalnyj löst seine Stiftung auf und gründet eine neue Organisation (bulg.) II (russ.)
- Russland-Bericht der britischen Parlamentskommission ISC erschienen   II pdf III IV
- Misstrauenantrag gegen bulgarische Rgierung geheitert - weitere Proteste IX
- USA verhängen Sanktionen gegen Familie von Tschetschenenführer Ramzan Kadyrov und gegen drei weitere Russen
- Mysteriöse Flucht von Wirecard-Vorstadsmitglied nach Russland
- Neue Schikanen des Kremls gegen Stalinforscher und Menschenrechtsaktivisten Jurij Dmitriev - und die Opfer von Sandormoch  II III IV V VI VII VIII  IX X XI XII XIII XIV XV Film Buch (pdf)
- Serdana Avksenteva, Bürgermeisterin von Jakutsk, stimte gegen die neue Verfassung
- Tauen verform ganze Landchaftn in Nordsibirien
- Russland exportierte erstmals mehr Gold als Gas
- Russische Hacker sollen Impfstoff-Forschung ausspioniert haben II III IV
- Russische Akteure sollen versucht haben, sich in britische Parlamentswahlen 19 einzumischen
- Erstmals seit 20 Monaten wieder Gespräche zwischen Serbien und Kosovo
- Neue Proteste gegen Regierung in Bulgarien  II
- Neue Proteste in Moskau gegen Verfassungsänderungen und Festnahmen
- Anklage gegen Journalist Ivan Safronov wegen Hochverrats
- Trzaskowski will neue Bürgerbewegung gründen
- Kaczyñski: Polnische Medien sollen repolonisiert werden (poln.)
- Kaczyñski äussert sich in Interview über die Wahl und Duda (poln.)
- OSZE krtisiert einseitige Berichterstattung bei Wahl in Polen
- Duda gewann nur in 6 von 16 Provinzen - Masowsze geht an Trzaskowski
- Beide Kandidaten erhielten je 10 Millionen Stimmen, aber Duda erhielt 400 Tsd. mehr
- Andrzej Duda gewinnt Wahl mit 51% der Stimmen - vor allem im Osten des Landes und dank massiver staatlicher Propaganda, während im ganzen Westen der Rafa³ Trzaskowski (49%) siegte, im übrigen mit der Unterstützung der Jugend.  II III IV V VI VII VIII IX X XI XII
- Trump gibt Cyberangriff gegen Russland von 2018 zu
- Polizei durchsuchte Amtssitz des bulgarischen Präsidenten
- Russland protestiert gegen Umwandlung der Hagia Sophia in Moschee
- 25 Jahre nach dem Massaker von Srebrenica II III IV V
- Oligarchenkrieg in Bulgarien wegen Stränden eskaliert
- Rumänien droht Klage vor EuGH wegen illegalem Holzeinschlag  II
- Unabhängiges Portal index.hu droht zu verschwinden  II
- Orbán knüpft Zustimmung zu Corona-Hilfen an Nichteinmischung
- Russland im neusten Bericht 2019 des Deutschen Verfassungsschutzes
- Absurder UN-Resolutionskrieg verhindert Syrienhilfe
- Fall Safronov gibt Rätsel auf  II III IV
- Tschetschenischer Kadyrov-Kritiker auf offener Strasse in Österreich erschossen  II
- Der globale Bluff: Werbeanzeigen über das bessere Leben in der Ukraine
- Der Russland fordert von Kiew ultimativ Verfassungsänderung in Bezug auf die Separatistengebiete
- Russische Journalistin Svetlana Prokopjeva wegen ángeblicher Rechtfertigung von Terrorismus zu hoher Gedlstrafe verurteilt II III IV    IV IV IV IV (russ.)
- Der vergessene Krieg in der Ostukraine  II
- Der Ukraine droht erneut ein Staatsbankrott  II
- Ukrainischer Zentralbankchef tritt überraschend zurück
- Ukraine erwartet Mais-Rekordernte
- Was rumänische Wanderarbeiter von Tönnies halten
- Lettland verbietet RT
- Polens Opposition hat nach Jahren der Stagnation wieder Auftrieb
- Polen-Länderanalysen Nr. 258: Polnische Perspektive auf die deutsche Ratspräsidentschaft 2020 und andere Themen

- Buchtipps: 2 Bücher von Mark Stegherr:
- Der neue Kalte Krieg der Medien und Osteuropa  II IIa III

- Das Russinische  II  III  IV V
- Neue osteuropäische Literatur bei INK PRESS GmbH Zürich

Aktuelle Filme:
- Balkanfilm "Mare" von Andrea Štaka  II
- Anna Kovaltschuk in der russischen TV-Serie "Tainy sledstvija Film-Episode
- Jan Karski vor 20 Jahren gestorben  - Film: der Karski-Bericht  II IIb

 


________________________________________________________________________________
Impressum:
Unabhängige Schweizer Website, die verschiedenen Themen Osteuropas 
aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und Tourismus gewidmet ist.
Gegründet 1997 und mehrmals relaunched.
Webmaster: info@osteuropa.ch  Hosted by Hoststar.ch
osteuropa.ch läuft gemappt auch unter balkan.ch und slavistik.ch 2020.
Hinweis zu den Bildern: Diese stammen aus Wikipedia und sind gemäss der Creative Commons Lizenzen frei wiederverwendbar.